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Die Nachfrage bestimmt das Angebot

Gibt es ein Muster oder Schema, nachdem die Autoren die Epochen auswählen, für die sie ihre Regelwerke schreiben? Ich denke schon. Diese werden aber je nach Autor sehr unterschiedlich aussehen. Viele Autoren schreiben sicher Regelwerke zu den Epochen, welche sie privat bevorzugen und sich dadurch mit den jeweiligen Epochen auch am besten auskennen. Andere Autoren, vor allem wenn sie ihren Lebensunterhalt über die Regelwerke bestreiten, sind anscheinend in ihrer Auswahl weniger frei.

Der geplatzte Mythos

Ich denke es ist Zeit mit dem ein oder anderen Mythos aufzuräumen.

Nehmen wir zum Beispiel den geschätzten Autoren Sam Mustafa. Mustafa spricht in
Meeples and Miniatures Podcast, Ausgabe 179, über den Niedergang des historischen Wargaming in den Vereinigten Staaten. Ich denke dass er mit seiner Analyse goldrichtig liegt. Umso mehr Beigeschmack hinterlässt natürlich der 180-Grad Schwenk in seiner Veröffentlichungspolitik.

Ich weiß nicht was Herr Mustafa hauptberuflich macht, er soll ja Professor der Geschichte sein … Sollte er von seiner Autorenschaft im Wargaming Bereich seinen Lebensunterhalt bestreiten, macht die Wahl des Settings für seine beiden jüngsten Veröffentlichungen aus wirtschaftlicher Sicht verständlicher, aber natürlich auch fraglicher.

Kurswechsel um 180 Grad

Grundsätzlich muss ja schon was dran sein. Anders ist es nicht erklärlich, dass Mustafa, der bereits vor über 20 Jahren sein erstes historisches Regelwerk veröffentlicht hat (Lasalle), sich dem Weltkrieg 2 und dem Weltall (Freejumper!) zuwendet. Klar, das kann man schon machen. Aber besagten Beigeschmack hinterlässt es schon: Schließlich betreibt Herr Mustafa ja damit genau das, was er selbst ausführlichst beklagt! Die Eindampfung des Wargaming Hobbys auf eine sehr überschaubare Anzahl von Settings.

Wenn Herr Mustafa aus wirtschaftlichen Gründen keine andere Wahl hat wird ihn wohl Niemand dafür verurteilen wollen. Traurig ist es dennoch.

Von Lasalle über Blücher, Might & Reason bis hin zu Longstreet und Maurice: Das sind alles Regelwerke, welche Szenarien der Schwarzpulver-Ära abdecken. Die einzige Ausnahme in dieser Reihe war bis dato Aurelian (Antike). Man könnte also meinen, Herr Mustafas Veröffentlichungen folgten auch oder hauptsächlich seinen eigenen Vorlieben.


Nach über 20 Jahren der Tätigkeit als Regelbuchautor geschätzter Regelwerke, bis auf das vollkommen veraltete Lasalle alles klasse Regelwerke – und auch das hatte seine Zeit – wendet sich Herr Musatafa der ScieneFiction und dem Zweiten Weltkrieg zu.

Ob die Rechnung aufgeht?

Persönlich ist dem Autoren zu wünschen, dass die Rechnung wirtschaftlich für ihn aufgeht. Das ist eine Frage der Perspektive: Wer will von einem Autoren fordern, dass er sich gegen diese Strömungen stellt und dafür den wirtschaftlichen Erfolg seiner Tätigkeit gefährdet? Das wäre sicher vermessen, und doch bleibt die Frage im Raum stehen, weshalb andere Autoren sehr erfolgreich bleiben und immer neue Systeme nachwachsen – wie zum Beispiel By Fire and Sword, welches in Polen neben Flames of War das meist gespielte System ist.

Die „Unterwerfung“ unter den Zeitgeist ist – das beweisen die Autoren die dem historischen Sektor treu bleiben und dort erfolgreich sind – sicher nicht zwingend notwendig um als Regelbuchautor erfolgreich zu sein.

Und dann wissen wir auch nicht, ob Freejumper und Rommel wirklich einen Markt finden werden. Ich bin bei beiden Werken skeptisch. Der Erfolg von X-Wing liegt ja nicht in der Genialität des Systems begründert – die Mechanismen sind alt wie der Wald und wurden von anderen Systemen viele Jahre vor dem ersten X-Wing Launch benutzt  (z.B. Wings of Glory). Der Erfolg von X-Wing liegt u.a. in dem bereits vorhandenen Enthusiasmus der Nutzer für den Hintergrund des Systems begründet. Darüberhinaus konnte die Einstiegshürde nicht niedriger gesetzt werden (bemalt verkaufte Modelle sind Standard). Deshalb verspricht das System seinen Nutzern den ergiebigen Nachschub an Mitspielern …

Was Rommel angeht: Was soll da neues kommen? Es gibt kein Setting welches noch mehr (erfolgreiche) Regelwerke bereits am Start hätte. Wer benötigt ein neues WK II Regelwerk?
Die meisten Spieler können sich schon kaum entscheiden, für welches der beiden erfolgreichsten Systeme (Flames of War und Bolt Action) sie als nächstes Ressourcen aufwenden.

Ob die Rechnung aufgeht?

Ich denke nicht. Der SciFi-Markt ist genauso übersättigt wie der WK II Markt. Sicher, man kann den zu Konsumenten degradierten Nutzern unterstellen, dass sie – was leider nicht immer falsch ist – kritiklos kaufen was in die Regale kommt. Aber die Regelwerke von bisher nur einer kleinen Klientel bekannten Autoren (gemessen an der Zahl aller Tabletop-Spieler) schaffen es weder in die Masse der Verkaufsregale, noch verfügen sie über die notwendigen Kanäle (Magazine, Podcasts, Magazine, etc.) oder Ressourcen für kommerzielle Werbemaßnahmen.

Es sieht so aus, als wäre dieser „Schachzug“ ein Schlag ins Wasser. Persönlich wünsche ich dem Autoren Erfolg. Für die Szene hätte ich mir gewünscht, das Engagement wäre in die Entwicklung anderer Werke aufgewendet worden.

Das First World Problem

Auf Dauer wird weder das System WeirdWars aufgehen noch werden diese Vermengungen wirklich neue Impulse setzen. Das Niveau wird dadurch gesenkt, und dem Kunden in die Tasche gegriffen. Die Reputation der Unternehmen wird auf Dauer gesehen — das hat bei GW schon keiner geglaubt – enorm leiden. Das geht nicht von heute auf morgen – aber sowas wirkt immer nach.

Eine Faszination an unserem Hobby ist doch die enorm breite Auswahl an Möglichkeiten von Sytsmen, Maßstäben, Settings, Herstellern und Regelwerken. Dass der aktuelle Trend dahin geht die Pluralität der Möglichkeiten auf die gewinnbringendsten „einzudampfen“ ist eine Entwicklung, die wir aufmerksam beobachten sollten – und rechtzeitig die Bremse ziehen. Letztendlich entscheidet der Käufer.

Die Macht des Konsumenten steht und fällt aber mit seiner Bereitschaft kristisch zu hinterfragen und sich eine eigene Meinung zu bilden – notfalls auch mal entgegen dem aktuellen „Gruppen-Hype“ in der eigenen Spielerlgruppe.

Den Unternehmen kann man kaum einen Vorwurf machen: Wenn jemand unbedingt nocheinaml für das selbe Sysstem bezahlen möchte … Bitteschön. Entscheiden werden die Käufer. In meinem Umfeld war z.B. Konflikt 47 der Flop des Jahrzehnts, und bei den Spielern die mittels Konflikt 47 den Sprung in das „historische“ Genre zu schaffen kommen auch nicht wirklich in die Puschen. Deshalb spielen wir nach wie vor begeistert Bolt Action (Edition 1), Black Powder und Muskets and Tomahawks.

 

 

 

 

 

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