Die letzten Artikel

Das Argument des Königs, Teil 1

Heute war es wieder soweit: Eine Delegation der Niemandswerft und der Zitadelle trafen sich in angemessenem Ambiente auf ein gepflegtes Match zwischen Gentlemen. Gespielt wurde natürlich nach Black Powder. Dieses mal verließen wir aber die Schlachtfelder des amerikanischen Bürgerkriegs und der Napoleonischen Kriege und richteten unser Augenmerk auf das 18e Jahrhundert.

Wir wählten die beiden Armeen nach dem Erweiterungsband The last Argument of Kings.
Als der Morgennebel sich gelichtet hatte, blickte die Welt auf zwei Kontrahenten, die während des Spanischen Erbfolgekrieges häufig Schulter an Schulter kämpften, niemals aber gegeneinander: Frankreich und Bayern. Unser Szenario (durch die Armeen bedingt) ist also ein fiktives Szenario mit historischen Armeen.

Was uns schon gar nicht mehr auffällt

Als wir unsere Armeen auf dem Tisch ausbreiteten, fragte uns ein freundlicher Kollege (der ScieneFiction-Fraktion): „Und wieviel Punkte sind das?“ Wir sahen uns an … „Punkte?“ Gelächter ...
Wir haben unseren Standpunkt und den Gedanken des Gentleman-Play in kurzen Worten erläutert, womit wir ungläubiges Staunen auslösten. „Und das funktioniert?“ „Mit den richtigen Leuten schon. “ „Und das balancing?“ „Welches balancing? Was hilft ein Punktesystem, wenn Johnny-Spaßspieler mit 2000 Punkten gegen einen Ich-hol-mir-einen-ganz-schlimm-auf-ETC-Turnierlisten-runter-Shark trifft, der eine nicht selbst entwickelte 2000 Punkte Liste präsentiert? Und außerdem: Welche Schlacht war jemals ausbalanciert?“

„Anders spielen wir schon lange nicht mehr. Damit halten wir uns alle Blutsauger, Haie und Problemspieler automatisch vom Hals – und erleben die geilsten Hobbytage …“
Unser freundlicher Kollege räumt ein: „Das wollten wir bei Age of Sigmar auch mal machen, aber es hat nicht funktioniert …“

Köstlich aber wenig vornehm war das zeitgleiche in-sich-hinein-Grinsen der angereisten Gentlemen.
„Ich weiß …“ platzte es beinahe gleichzeit aus uns heraus. Wir konnten das ungläubige Staunen etwas abmildern, indem wir erläuterten, dass wir heute besonders „fatalistisch“ gestimmt seien, und nachdem die Armeen aufgestellt seien, es deshalb auswürfeln würden, welcher Genteleman welche Armee ins Feld führt.

Ich möchte anmerken, dass besagter Kollege einer der sympatischten Typen der Fraktion ScieneFiction ist, den ich in den letzen Jahren kennengelernt habe, und er bereits selber ein Gentleman ist, zumindest die besten Anlagen dafür in sich trägt -.er weiß es nur noch nicht. Auf jeden Fall wich seinem ehrlichen Staunen das aufkeimende Verständnis um uns dann mit einer Mischung von „Bewunderung“ und Verständnis unseren Angelegenheiten zu überlassen.

Alea iacta est

Wir warfen also die Würfel um zu entscheiden, wer an diesem Tag welche Armee ins Feld führen darf. Zu meiner Erleichterung fielen mir die Franzsoen zu, was sich hervorragend traf: Flo wollte lieber die Bayern anführen.

Die Lage

Die Armeen unterschieden sich tatsächlich erheblich. Das stolze Frankreich verfügte über drei Regimenter, deren Schwerpunkt auf einer großen Zahl regulärer Musketiere bestand, unterstützt von schwachen Reiterverbänden und etwas Feldartillerie. Das Herzogtum Bayern verfügte über deutlich weniger, dafür hochwertigere und vor allem zuverlässigerer Infanterie (Musketiere und Gardegrenadiere), konnte darüberhinaus aber schwere Kavallerie (Kürassiere) aufbieten.  Und das Schlachtfeld sollte unter ihren Hufen wahrlich erbeben. Hätten meine braven Musketiere die Heftigkeit der sie erwartenden Reiterangriffe erahnen können, die Offiziere hätten sie in den Kampf prügeln müssen …

Das Terrain

Das wochenlange Taktieren, gegenseitige Unterbrechen von Versorgungslinien und fouragieren hatte ein Ende, es musste ein Ende haben. Die Entscheidungsschlacht, die beide Kommandeure über Wochen geschickt vermieden hatten, wurde unausweichlich.
Die Stimmung in beiden Armeen war auf dem Tiefpunkt angekommen ..
Als die strategische Lage es erforderte, stellten sich die Armeen zum Kampf: Und die Männer brannten auf den Kampf! Sie waren das fouragieren leid, das biwakieren, die schlechte Versorgung, vor allem aber die ewige Marschiererei. Die Männer brannten auf den Kampf, waren voller Selbstvertrauen und davon überzeugt die feindliche Armee mit Leichtigkeit zu schlagen, um nach ruhmreichem Sieg endlich den Rückmarsch antreten zu dürfen. In Erwartung von Ruhm, Ehre und den lang ersehnten (sauberen) Unterkünften frohlockten die Ahnungslosen, die Veteranen der Armee aber fieberten dem Kampf entgegen –  nur den jüngsten Soldaten war vor ihrer Feuertaufe bange.
Das aber verbargen sie unter mannhafter Mine, niemand wollte als Feigling gelten.

Als die Lagerfeuer der Biwaks längst heruntergebrannt waren bemerkte der im Dickicht verborgene Spion der Bayern, dass das Zelt des französischen Generals noch weit bis in die frühen Morgenstunden erhellt war. Vor dem flackernden Schein der Kerzen zeichnete sich eine einzelne, regungslose, tief über den Kartentisch gebeugte Gestalt ab.

„Wie soll ich die schwere Kavallerie des Gegners ausmanövrieren? Sie muss sich verzetteln, darf ihr Schwergewicht auf keinen Fall zur Geltung bringen … Können wir die Männer des Feindes mit unserer Artillerie soweit entmutigen, dass unsere Männer leichtes Spiel haben? Schwierig – bei diesem Untergrund, es hat drei Tage geregnet. Der Boden ist vollkommen verschlammt, das  Gelände unübersichtlich.
Können unsere Reiterverbände den Feind hinhalten? Haben sie ihre Aufgabe verstanden – werden sie standhalten? Sie dürfen sich auf keinen Fall auf einen direkten Schlagabtausch einlassen, und wenn es unausweichlich wird, müssen wir Ort und Zeit bestimmen! Vor allem aber müssen sie diese verdammten Kürassiere von unseren Linien lange genug fern halten, bis wir der gegnerischen Armee das Rückgrat gebrochen haben!“ Monsieur General schlägt mit der flachen Hand auf den Tisch. „Der Ordonanzoffizier, der auf einem Stuhl neben dem Kartentisch eingenickt war, fährt mit aufgerissenen Augen hoch … „Gehen sie zu Bett, morgen wird ein schwerer Tag. Lassen sie eine Stunde vor Morgengrauen zum wecken blasen, die Zeit ist morgen unser einzigster Freund … Gute Nacht Monsieur…“

Immerhin: Wir haben – wenn unsere Informationen richtig sind – mehr Männer als der Feind. Wir haben mehr Musketen. Wir haben ausreichend Munition für einen Tag! Der Aufmarsch muss gelingen! Alles hängt davon ab, alles! Wir müssen unsere überlegene Feuerkraft schnell genug in Linie bringen und den Feind zurückzudrängen. Wenn er sich nicht irre führen lässt, wenn er unseren Aufmarsch stört, oder gar zerschlägt … Wenn die Männer unter dem Ansturm der schweren Kavallerie den Mut verlieren und das weite suchen, … wenn unsere Reiter die schwere Kavallerie des Feindes nicht aufhalten können … dann ist alles verloren!
Werden die Männer standhalten? Werden die Befehle befolgt? Können wir die Initiative an uns reißen, und behalten? Das Gelände ist für uns denkbar schlecht. Der Schlamm behindert unsere Artillerie, und nimmt uns die einzigste Möglichkeit die wir haben: Wir müssen schnell zuschlagen, schnell und hart. Der Feind muss weichen!
Auf keinen Fall dürfen die Offiziere zulassen, dass der Erzherzog seine Grenadiere an unsere Linien heranführt. Unsere Männer sind den ihrigen im Nahkampf nicht gewachsen. Also: Feuerkraft entwickeln, Raum gewinnen, den Feind zurückdrängen, und den Einsatz seines größten Trumpfs verzögern: Den Einsatz seiner Kavallerie … Die Zeit wird uns nicht gegnnt sein, unsere Artillerie auf dem kleinen Hügel im Osten des Gehöfts in Stellung zu bringen. Wir werden gezwungen sein sie mit der Infanterie vorrücken zu lassen und gegenüber der feindlichen Infanterie in Stellung zu bringen …
Hätten wir noch einen Tagesmarsch gewonnen, 15 Meilen weiter Süden öffnet sich das Gelände, dort könnten unsere Geschütze seine Infanterie entmutigen, bevor die Musketiere auf seine Grenadiere treffen …
Es hilft nichts. Treten wir heute nacht den Rückzug an – und dazu ist es viel zu spät – verlieren die Männer den Mut. Das würden sie nicht verstehen, und sie würden damit beginnen, die Macht des Feindes zu fürchten … Wenn die Männer ihre Moral verlieren, ist diese Schlacht nicht mehr zu gewinnen, und der Krieg verloren.
Es gibt kein zurück: Morgen müssen wir siegen, ein für alle mal, und diese treulosen Bayern das fürchten lehren. Niemals wieder sollen sie sich gegen unser gesalbtes Haupt, König Ludwig IVX, erheben. Wir werden diese Verräter das fürchten lehren, wenn wir sie schon nicht zur Treue erziehen konnten!
Das Gelände ist der Vorteil des Feindes. Die Waldungen erlauben ihm den gedeckten Vormarsch, die schnelle, direkte Konfrontation seiner überlegenen Infanterie und Kavallerie. Das darf niemals geschehen. Wir aber werden seine Reihen lichten, Salve um Salve, wir werden ihn zurückdrängen, und seine Männer entmutigen – bis sie die Waffen strecken, oder das Feld räumen. Schnelligkeit und Disziplin werden unsere einzigsten Helfer sein, sie müssen reichen!

Die Pläne sind gemacht

Abermals sollte ein Würfelwurd entscheiden: Ich gewann den Wurf, und somit die wichtige Initiative für den französischen Plan.

Die erste Brigade, bestehend aus zwei Battalionen Musketiere, einem Battalion leichter Infanterie, unterstützt von einer Batterie Feldgeschütze, hatte die Aufgabe die linke Flanke, welche durch mehrere Waldungen  dem Feind einen gedeckten Vormarsch erlauben konnte, zu sichern. Ihre Aufgabe war es, mit dem Zentrum vorzugehen, dabei aber die linke Flanke so abzusichern, dass kein Überraschungsmanöver des Feindes unser Zentrum in der Mitte bedrohen konnte. Die Männer wren frischen Mutes und führten die Befehle aus.

Im Zentrum formierte sich die zweite Brigade, bestehend aus sechs Battalionen Musketieren und einer Batterie Feldgeschütze. Sie hatte die wichtige Aufgabe so rasch wie möglich Boden zu gewinnen und die natürlichen Deckungen (Steinmauern) im Zentrum des Schlachtfeldes zu besetzen. Würde der Gegner diese vor den unsrigen erreichen, würde er sich dort festkrallen – unsere Männer könnten ihre Grenadiere von dort nicht oder nur sehr langsam verdängen – an ein schnelles Zurückdrängen wäre nicht mehr zu denken. Das sechste Battalion des zweiten Regiments bildete die rechte Flanke, und hatte den Auftrag das Gehöft vor dem Feind zu besetzen und sich dort festzusetzen. Dadurch könnten wir unser Zentrum stabilisieren …

Die rechte Flanke der Armee deckte unsere Reiterbrigade. Ihrfiel die schwere Aufgabe zu, die ihr überlegene Kavallerie des Feindes vom Zentrum fern zu halten.

Vorwärts! (Runde 1 Frankreich)

Die erste Brigade rückte los und strebte den Deckungen im Zentrum zu. Ihr leichtes Battalion übernahm die Aufgabe um die Waldungen herumzugehen, um diese dem Gegner für einen schnellen Vormarsch zu sperren.

Im Zentrum marschierten die Battalione den gegeben Ziele entgegen. Die Reiter der dritten Brigade, erstes Schwadron, formierten sich zum Angriff, erreichten das Gehöft und nahmen Position um die Männer im Zentrum vor einem Reiterangriff in ihre Flanke zu bewahren. Das zweite Schwadron positionierte sich östlich davon, dem Feind zugewandt. Ihm sollte kein konzentrierter Angriff gelingen.

Die Befehle wurden befolgt. Noch fiel kein Schuss.

Die Bayern kommen! (Runde 1 Franzosen)

Die Bayern rückten auf unserer linken Flanke den Waldungen zu um diese zu umgehen und unser Zentrum zu bedrohen. Unsere leichten Truppen unterschätzend rückten sie in geschlossener Marschkolonne vor. In ihrem Zentrum schien sich Verwirrung breit zu machen. Sie rückten nur sehr zögerlich vor, wobei die Battalione sich gegenseitig behinderten. Die Kürassiere auf unserer rechten Flanke rückten, zu unserem Glück, zögerlicher vor, als erwartet. Vielleicht haben sie unsere Bedrohung nicht erkannt?

Die Gunst der Stunde – Ein gewagtes Manöver

Da die Bayern auf unserer linken Flanke unerwartet schnell vorstießen übernahm ihr Brigadekommandeur, den Rest seiner Brigade vernachlässigend (sie waren schon weit vorgestoßen) – den direkten Befehl über die leichte Brigade und führte sie im Eilschritt auf die bayrischen Marschkolonnen zu um das Feuer zu eröffnen. Er war sich bewusst: Wenn er die Bayern mit seinen wenigen Männern stoppen kann, dann nur in diesem Flaschenhals, in den sich die Bayern in voller Marschkolonne zwischen Hügel und Wald begeben hatten

Die Reiterei erhielt den Befehl ihre Abfangposition den Bewegungen des Feindes anzupassen und sich weiter defensiv zu verhalten.

Nachdem im Zentrum das erste bis vierte Battalion die Deckungen mit vorbidlicher Disziplin besetzt hatten, scheiterte das fünfte Battalion an der Aufgabe das Gehöft zu besetzen. Zu langsam schoben sie sich in seine Richtung. Das Sechste versuchte diese Scharte auszuwetzen, indem es vorsichtshalber die Flanke rechts, vom Gehöft 45 Grad abknickend, verlängerte. Die Musketen wurden geladen …

Monsieur General allerdings übernahm, dem kühnen Vorbild des ersten Regiments folgend, den direkten Befehl über das zweite Battalion des ersten Regiments, und führte dieses um die Waldungen um die Männer des leichten Battalions zu unterstützen.

Als der vor Erschöpfung keuchende Meldereiter den General erreichte wurde ihm klar, dass seine Order richtig waren, aber auch seine Bedenken hinsichtlich der Bodenverhältnisse mit Hobnblick auf die Positiionierung der Artillerie. Beide batterien schoben sich quälend langsam durch den Schlamm und konnten mit der vorrückenden Infanterie nicht Schritt halten. Hoffentlich behalten die Männer die Nerven, wenn sie merken, dass sie ohne Artillerie auf den Feind warten. Auch schien die Ordnung des ersten regiments noch nicht hergestellt. Zwar hatten sie die Deckungen beinahe erreicht, als ihr Brigadegeneral die Leichte übernommen hatte, waren die Männer selbständig nicht in der Lage die Deckungen schnell genug zu besetzen.

Musketengeknatter reisst ihn aus seinen Gedanken. Die Leichte hat das Feuer eröffnet …

Weiter geht es in Kürze mit:

„Das Argument des Königs, Teil 2“

2 Trackbacks / Pingbacks

  1. Das Argument des Königs, Teil 2 – Die Zitadelle
  2. Das Argument des Königs, Teil 3 – Die Zitadelle

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: