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Sharp Practice 2 – Vorbericht

Vorbericht

Seltsam aber harmlos

Manchmal ist es schon lustig, wie gestandene und erwachsene Männer sich innerhalb von einem kurzen Augenblick in begeisterte Kinder verwandeln können, inkl. leuchtenden Augen, roten Wangen und erregtem Gequassel.

Naja, nicht anders kenne ich das von mir selbst und meinen Hobbykollegen. Aber das ist in Ordnung. Von Montag bis Freitag leisten wir seriös, zuverlässig und diszipliniert unseren Teil dort wo uns das Leben innerhalb der Wertschöpfungskette hingestellt hat.
Einen Tag in der Woche dürfen wir uns dann aus der Welt der Arbeit und Familie zurückziehen, um uns unter unseres Gleichen mit Würfeln und Zinnsoldaten von den Anstrengungen der Verantwortung zu restaurieren.

Für große Aufregung sorgt im persönlichen Umfeld gerade das neue Sharp-Practice-2-Regelwerk von den Jungs von TooFatLardies.
Da ich seit Jahren den Wunsch habe ein Malprojekt für den American War of Independence zu verwirklichen, nutze ich aktuell die Aufregung um Sharp Practice als Motivation um das eigene Projekt voranzutreiben.

Was wir schon wissen

Was bis jetzt durch die lokale Szene geistert, klingt gut, ist aber wenig konkret. Sharp Practice 2 soll ein Regelwerk für Scharmützel in der Schwarzpulver-Ära sein. Mich irritiert der Begriff Scharmützel (Skirmish) etwas. In meinen Augen dreht es sich zumindest schonmal um sehr große Scharmützel.
Darüber hinaus soll das Spiel kein bischen Wettkampf geeignet sein, dafür aber viele erzählerische Elemente bereithalten. Für ein Scharmützel sind es in meinen Augen zu viele Spielelemente, ansonsten klingt das aber schonmal klasse!
Problemspieler können spätestens jetzt aufhören, weiterzulesen: Das System dürfte euch nicht interessieren. Alle anderen sollten mal einen Blick wagen.

Die ersten Eindrücke

Da in der lokalen Spielgruppe reges Interesse herrscht und einige Projekte gestartet wurden, habe ich mir das Buch inkl. Karten bestellt – schließlich ist das Regelwerk eine weitetere Chance für spannende Spiele in meiner Lieblingsepoche.

Der erste Eindruck ist schonmal ganz gut.  Die Karten sind schlicht aber ansprechend, das Softcover des Buches ist sehr ansprechend gestaltet. Das 120 Seiten starke Regelwerk ist durchgängig bebildert und enthält Schaubilder für die wichtigsten Regelwerläuterungen.

Etwas irritierend ist der Umfang von 120 Seiten wovon satte 78 Seiten reines Regelwerk sind (DIN A4). Wow! Das sieht leider nicht wirklich nach „easy to learn, hard to handle“ aus. Aber wir werden sehen …

Positiv fällt mir auf, dass die Autoren das Buch grundsätzlich ordentlich gegliedert haben und sich nicht zu schade waren, für das Buch einen Index zu erarbeiten. Eine ausführliche Einleitung von 15 Seiten klärt vorab die wichtigsten Dinge (Einheitengrößen, Basierung, etc.) bevor es auf den Seiten 20 bis 68 zur Sache geht. Das eigentliche Regelwerk umfasst 48 Seiten (DIN A4) – das sieht leider nicht wirklich nach „easy to learn, hard to handle“ aus. Aber wir werden sehen …
Sehr positiv fällt auf, dass auf zehn Seiten die Handhabung von Charakteren, die Szenarien und deren Auswahl erläutert werden.
Den krönenden Abschluss, und das fällt wirklich ins Gewicht, bildet das Dritte Kapitel, welches auf 37 Seiten S. 79 bis 116) umfangreich die Armeelisten für die verschiedenen Konflikte bereithalten.

Der Wermutstropfen ist die etwas lieblose Typografie. Zwar ist die Auswahl der Schriften für das Logo und die Zwischenüberschriften gut gewählt, die eigentlichen Texte, und somit das gesamte Schriftbild des Buches, hätte man aber definitiv besser lösen müssen. Eine in 14 Punkt gesetzte Arial ist definitiv die falsche Auswahl, gerade auch für ein Regelwerk für diese Epoche. Ich weiß nicht ob man da schlampig war, oder sich den Grafiker komplett gespart hat. Selbst auf einem Standard-Büro-Rechner sind mehr Schriften verfügbar! Es wäre schon besser gewesen, den Grundtext wenigstens in einer Serifen-Antiqua (in maximal 12 Punkt) zu setzen. Das ist, gerade vor dem Hintergrund, dass das Tiotelbild und die Karten schön gestaltet sind, ein böses Foul.
Ein gutes hat die Sache – vielleicht ist das ja auch der Zielgruppe geschuldet: Man kann bis zu einer gewissen Dioptrienstärke die Brille abnehmen, und das Buch trotzdem problemlos lesen.

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Historischer Kontext

Die Armeelisten im Buch ermöglichen den Einsatz von Armeen aus fünf Konflikten:

  • French Indian War
  • American War of Independence
  • The Peninsular War
  • The American Civil War
  • The Indian Mutiny

Das ist zum einen schonamal gar nicht schlecht, und zum anderen vollkommen unzureichend: Das Buch wirbt auf der Titelseite damit, Scharmützel aus der Zeit von 1700 bis 1865 zu ermöglichen, die Auswahl der ermöglichten Szenarien ist allerdings eindeutig zu sehr britisch.

Man ist ja von den englischen Kollegen nichts anderes gewohnt, liegt der Schwerpunkt beispielweise der meisten Warlord Games Veröffentlichungen auch ganz klar auf den typisch bristischen Konflikten. Zugegeben: Die Briten waren auch mit Abstand in die meisten Kriege involviert, bzw. haben diese geführt. Dafür, den Armeelisten für den Amerikanischen Unabhängikeitskrieg zum Beispiel Listen für den Siebenjährigen Krieg gegenüberzustellen, wäre sicher Niemandem ein Zacken aus der Krone gebrochen.

Ein erstes Urteil

Unterm Strich hinterlässt das Buch einen größtenteils guten Eindruck. Vor allem der Hintergrund und die geförderte Gentlemen-Spielweise machen mich neugierig.
Das wäre eine feine Sache, würde die Hobbygemeinschaft um ein weiteres gutes Regelwerk bereichert. Die ausgewählte Sparte ist klasse, auch der Gedanke den vielen Regelwerken für Massenschlachten ein Buch mit dem Schwerpunkt Scharmützel anzubieten ist definitiv willkommen. Was die Jungs mit dem Regelwerk tatsächlich geleistet haben, werden wir uns zu einem späteren Zeitpunkt im Detail ansehen.

Und was sagt der Autor selbst?

Hier findet ihr ein Fan-Video zur Einführung: Sharp Practice 2 – Einführung

Das Video könnte etwas mehr Elan vertragen, folgt man aber den Videos auf Youtube, bekommt man einen guten Überblick zum System. Die grüne Spielmatte ist allerdings undiskutabel schlecht.

Vielen Dank für eure Aufmerksamkeit – wir bleiben an der Sache dran.

Sharp Practice 2 Rezension

4 Wochen – 4 Matches! Sharp Practice auf dem Dauerprüfstand

1 Trackback / Pingback

  1. Sharp Practice 2 – im Detail – Die Zitadelle

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